Medien wie AFP und "New York Times" treten Bündnis für Ansprüche gegen KI-Dienste bei
Die Nachrichtenagentur AFP, die "New York Times" und zahlreiche andere Medien schließen sich einem internationalen Bündnis für eine faire Abgeltung der massenhaften Nutzung ihrer Angebote durch Künstliche Intelligenz (KI) an. Zu den rund 40 Neuzugängen, durch die die Mitgliederzahl der Initiative auf mehr als 80 wächst, gehören auch die britischen Zeitungen "The Economist" und "The Observer", das US-Magazin "The Atlantic" sowie Zeitungsverlage aus Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Japan.
Das im Februar gegründete Bündnis trägt den Namen Spur. Das ist die Abkürzung von Standards for Publisher Usage Rights - zu Deutsch: Standards für die Nutzungsrechte von Medienunternehmen. Gegründet wurde die Initiative unter anderem von den britischen Medien BBC, Sky News und "The Guardian". Spur geht es nach eigenen Angaben darum, "einen gerechten Markt für die Nutzung von Inhalten durch KI-Systeme" zu schaffen.
"Jeden Tag beantworten KI-Assistenten die Fragen von Millionen von Menschen mit Informationen, die oft zuvor von Journalisten der Agentur zusammengetragen und überprüft wurden", begründete AFP-Chef Fabrice Fries die Beteiligung seiner Agentur an dem Bündnis. Beim Zurückverfolgen der Quellen von KI-Suchergebnisse gehe es nicht nur um eine gerechte Vergütung der Urheber, diese Transparenz sei auch "essenziell für das Vertrauen der Öffentlichkeit".
Spur-Mitbegründer und -Sprecher David Buttle erklärte, Medien könnten sich nicht "damit begnügen zu hoffen", dass zwischen KI-Unternehmen und Medienunternehmen "alles gut läuft". "Medienorganisationen aus der ganzen Welt müssen sich zusammentun, um sich selbst, sich gegenseitig und die Zukunft des Journalismus zu schützen." Dazu müssten sie "für ihre Arbeit gerecht entlohnt" werden.
Den Beitritt von AFP lobte Buttle als "wichtigen Schritt bei unserem Wachstum". "AFP ist eine der weltweit führenden Nachrichtenagenturen und ihr Journalismus ist von enormem Wert für diejenigen, die KI-Systeme entwickeln", erklärte der Spur-Sprecher. "Zu oft wird dieser Wert ohne Erlaubnis oder Vergütung genutzt."
Das Bündnis verfolgt das schwierige Vorhaben, eine technische Infrastruktur zu schaffen, mit der Medien genau messen können, wie KI-Systeme ihre Angebote nutzen. Den Umfang der Mediennutzung durch KI genau zu erfassen, sei die "Voraussetzung für alle Verhandlungen" über eine gerechte Vergütung, erklärte AFP.
Diese Vergütung wird als lebenswichtig für Medien in aller Welt erachtet, die nicht nur unter der Konkurrenz großer KI-Chatbots wie ChatGPT von OpenAI oder AI Overview von Google, sondern auch von Online-Netzwerken leiden. "Die Tech-Riesen plündern Informationsseiten ohne Genehmigung oder Vergütung", hatte Anfang Juni "New York Times"-Chef Arthur Gregg Sulzberger in einer Rede beim Kongress des Weltverbands der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-Ifra) beklagt.
Die "New York Times" hat ein langwieriges und kostspieliges Klageverfahren vor der US-Justiz gegen OpenAI und Microsoft wegen Verstößen gegen das Recht auf geistiges Eigentum eingeleitet. Zugleich unterzeichnete sie einen Vertrag mit dem US-Konzern Amazon zur KI-Nutzung.
Andere Medien wie der Springer-Verlag, der "Wall Street Journal"-Herausgeber News Corp und die französische Zeitung "Le Monde" sind eine Partnerschaft mit OpenAI eingegangen. AFP kooperiert mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral.
E.Fournier--MJ