Bundeswehr: Personalaufwuchs erstmals über Jahresziel
Die Bundeswehr hat Anfang Oktober über 190.000 Soldatinnen und Soldaten verzeichnet - sie lag damit erstmals über den gesetzlichen Aufwuchszielen. Diese seien "mit dem einstellungsstärksten Monat Oktober" überschritten worden, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Mittwoch mit. Das deutsche Militär soll laut Gesetz bis Ende 2026 auf 186.000 bis 190.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen.
"Aufgrund der insgesamt positiven Personalentwicklung ist davon auszugehen, dass die Bundeswehr am Ende des Jahres weit oben im Aufwuchskorridor oder oberhalb liegen wird", hieß es nun. Die Union hatte eigentlich auf eine Wehrpflicht gedrängt. Diese ist nach dem verabschiedeten Gesetz zum freiwilligen Wehrdienst weiter möglich, wenn die festgeschriebenen jährlichen Aufwuchsziele bis 2035 nicht erreicht werden.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Wochenende beim Deutschlandtag der Jungen Union erneut darauf verwiesen, dass im kommenden Jahr eine Bewertung des Personalaufwuchses stattfinden werde. Er sagte dabei zum Umschwenken auf eine Wehrpflicht: "Wir haben doch alle das zunehmende Gefühl, dass es ohne eine solche Verpflichtung nicht geht."
Zum Monatsstichtag am 30. September dienten dem Angaben zufolge noch rund 186.200 aktive Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr - 4500 mehr als im September 2025. Darüber hinaus gab es rund 58.700 Bewerbungen (plus 29 Prozent) und 18.700 Einstellungen (plus 15 Prozent). Dies zeige, dass das Interesse an der Bundeswehr als Arbeitgeberin, "weiterhin hoch" sei.
Rund 10.800 dienen derzeit als freiwillig Wehrdienstleistende und kurzdienende Zeitsoldatinnen und -soldaten im Rahmen des neuen Wehrdiensts. Dies sind demnach rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
Der neue Wehrdienst wurde zum Jahresanfang 2026 eingeführt. 18-jährige Männer ab Jahrgang 2008 müssen seitdem verpflichtend einen Fragebogen ausfüllen. Der Wehrdienst an sich bleibt aber vorerst freiwillig.
Zum Stichtag am 30. September verschickte die Bundeswehr laut Verteidigungsministerium rund 492.800 Anschreiben für den Fragebogen, davon rund 253.000 an Männer und rund 239.800 an Frauen sowie Menschen anderen Geschlechts. Innerhalb der einmonatigen Frist inklusive Nachfrist antworteten dabei rund 96 Prozent der Männer.
Von allen Interessierten durchliefen den Angaben zufolge bis Ende September rund 4450 Menschen eine Bewertung. 1530 Bewerberinnen und Bewerber seien anschließend für eine Verwendung in der Bundeswehr eingeplant worden - davon knapp 1150 für 2026, die restlichen für 2027.
Gegen säumige Adressaten will die Bundeswehr ab Oktober Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten. Es seien Bußgelder bis zu 250 Euro möglich, betonte das Verteidigungsministerium.
A.Serra--MJ