Neue Angriffe Irans und der USA schüren Furcht vor Kollaps der Friedensbemühungen
Neue Angriffe der USA und des Iran haben die Furcht vor einem Kollaps der Friedensbemühungen für die Golfregion geschürt. Das US-Militär erklärte, es habe in der Nacht zum Sonntag zum zweiten Mal binnen zwei Tagen Ziele im Iran angegriffen. Anschließend wurden die Golfstaaten Kuwait und Bahrain attackiert, die iranischen Revolutionsgarden reklamierten die Angriffe für sich. Derweil wurden aus dem Libanon neue israelische Luftangriffe gemeldet.
Das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte, die US- Armee habe zehn iranische Militärziele "an mehreren Orten in und nahe der Straße von Hormus" beschossen. Dabei seien militärische Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Mittel zur Minenverlegung getroffen worden.
Laut Centcom reagierten die USA mit ihrem Vergeltungsschlag auf einen neuen iranischen Drohnenangriff auf einen Öltanker. Der unter der Flagge Panamas fahrende Tanker "Kiku" habe mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl durch die von Teheran kontrollierte Straße von Hormus transportiert, erklärte das US-Regionalkommando. Iranische Medien berichteten von mehreren Explosionen in den Regionen Sirik und Keschm im Süden des Landes.
Irans Revolutionsgarden griffen nach eigenen Angaben "als Vergeltung" für die US-Angriffe Ziele in den Golfstaaten Kuwait und Bahrain an. Sie hätten dort "acht wichtige Einrichtungen der US-Armee" zerstört, teilten sie mit.
Kuwait verurteilte "aufs Schärfste die erneute abscheuliche Aggression des Iran gegen den Staat Kuwait". Diese stelle "einen eklatanten Verstoß" gegen Kuwaits Souveränität dar, erklärte das Außenministerium. Auch Bahrain meldete neue aus dem Iran abgefeuerte Raketen und Drohnen und sprach von "heimtückischen" Angriffen des Iran. Der Golfstaat sei in "höchster Alarmbereitschaft".
US-Präsident Donald Trump warf dem Iran nach den jüngsten Angriffen vor, "wieder" gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Der iranischen Führung drohte er in seinem Onlinedienst Truth Social mit der Vernichtung der Islamischen Republik. Sollten die USA gezwungen sein, den Krieg wiederaufzunehmen, werde "die Islamische Republik Iran nicht länger existieren", schrieb er.
Irans Revolutionsgarden drohten ihrerseits mit einer "vernichtenden Antwort" auf jede weitere "Aggression". Zugleich kündigten sie ein härteres Vorgehen in der Straße von Hormus an. Schiffe, die in der Meerenge gegen die iranischen Vorgaben verstießen, würden künftig "mit noch größerer Härte" behandelt.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi warnte davor, die Kontrolle seines Landes über die für den Welthandel wichtige Meerenge infrage zu stellen. "Keine andere Institution oder kein anderes Land" außer dem Iran sei für die Verwaltung der Straße von Hormus zuständig, sagte er bei einem Besuch in Iraks Hauptstadt Bagdad. Jegliche Versuche "gesonderter Regelungen" könnten "die Spannungen verschärfen".
Araghtschi sagte, es dürfe nicht zugelassen werden, dass das Mitte Juni zwischen Teheran und Washington vereinbarte Rahmenabkommen von seinem Kurs abweiche. Darin hatten die USA und der Iran die "unverzügliche" Einstellung aller Kämpfe vereinbart. Zudem sagte der Iran zu, Handelsschiffen für vorerst 60 Tage eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.
Doch bereits am Freitag meldeten die USA erstmals seit der Einigung wieder Angriffe auf iranischem Gebiet. Diese seien eine Reaktion auf einen iranischen Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus gewesen, erklärte Centcom. Teheran warf Washington daraufhin einen "eklatanten Verstoß" gegen das Abkommen zur Beendigung des Krieges vor und meldete Angriffe auf US-Einrichtungen in der Golfregion.
Der Iran hatte die Straße von Hormus seit Anfang März, also kurz nach Beginn des US-israelischen Krieges gegen das Land, weitgehend blockiert. Nach der Einigung auf das Rahmenabkommen wurde die Meerenge dann zwar wieder geöffnet - allerdings lässt der Iran nach eigenen Angaben derzeit nur eine Route entlang seiner Küste zu.
Das Rahmenabkommen war unter Vermittlung Pakistans zustande gekommen. Es soll binnen 60 Tagen in eine endgültige Vereinbarung zur Beendigung des Krieges münden.
Der Iran besteht darauf, dass das Abkommen auch den Libanon umfasst, den die pro-iranische Hisbollah-Miliz mit Angriffen auf Israel in den Krieg hineingezogen hatte. Ein am Freitag unterzeichnetes, separates Rahmenabkommen zwischen dem Libanon und Israel betrachtet die vom Iran finanzierte Miliz dagegen als "null und nichtig".
Die in Washington unterzeichnete 14-Punkte-Vereinbarung soll den Weg zu einem umfassenden israelisch-libanesischen Friedensabkommen ebnen. Zu den zentralen Punken gehört die "verifizierte Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen" wie der Hisbollah. Damit solle ein schrittweiser Rückzug von Israels Armee aus dem Libanon ermöglicht werden.
Die israelischen Luftangriffe im Südlibanon gingen allerdings am Wochenende weiter. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete am Sonntag, ein israelisches Kampfflugzeug habe die Außenbezirke der Städte Deir Serjan and Tajbeh angegriffen. Die israelische Armee erklärte, einer ihrer Soldaten sei am Sonntag bei Kämpfen mit der Hisbollah im Süden des Libanon getötet worden.
Bereits am Samstag hatte Israel einen Angriff in der Region von Nabatijeh gemeldet, der sich gegen "mutmaßliche Terroristen" gerichtet habe. Das Gesundheitsministerium in Beirut teilte mit, mindestens ein Mensch sei bei dem Angriff getötet worden.
D.Riva--MJ