Merz stellt Zusammenarbeit mit Frankreich bei Luftkampfsystem FCAS in Frage
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat das geplante deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS in Frage gestellt. Es gebe "ein echtes Problem im Anforderungsprofil", sagte Merz dem Podcast Machtwechsel in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. "Wenn wir das nicht lösen können, dann können wir das Projekt nicht aufrechterhalten", fügte er hinzu.
Das sei kein politischer Streit, erklärte Merz. "Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation der Kampfflugzeuge ein atomwaffenfähiges und ein flugzeugträgerfähiges Flugzeug", sagte der Kanzler. "Das brauchen wir in der deutschen Bundeswehr gegenwärtig nicht." Es stelle sich die Frage, "haben wir die Kraft und den Willen, für diese beiden unterschiedlichen objektiven Anforderungsprofile zwei Flugzeuge zu bauen oder nur eins?" Paris wolle nur ein Flugzeug bauen, dass auf seine Bedürfnisse ausgerichtet ist. Das sei jedoch nicht das, was die deutsche Seite brauche, erklärte Merz.
Zurzeit spreche er mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) über die grundsätzliche Frage, ob Deutschland in zwanzig Jahren überhaupt noch ein bemanntes Kampfflugzeug brauche, erklärte der Bundeskanzler. Falls ja, werde Berlin Partner suchen. Es gebe in Europa andere Länder, darunter Spanien, "die Interesse daran haben, mit uns dann darüber einmal zu sprechen", sagte Merz. Ein politisches Zerwürfnis mit Frankreich sehe er darin nicht.
Das Luftkampfsystem sollte ab 2040 die Eurofighter- und Rafale-Kampfjets ersetzen. Neben Deutschland und Frankreich ist auch Spanien an FCAS beteiligt. Frankreich und Deutschland schieben eine Entscheidung über die Zukunft von FCAS seit Monaten vor sich her. Eigentlich hätte 2026 die zweite Phase des Vorhabens beginnen sollen, um bis 2029 ein flugfähiges Modell zu entwickeln. Die beteiligten Unternehmen streiten jedoch seit langem über Zuständigkeiten und Führungsansprüche.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält offiziell an dem Vorhaben fest. "FCAS ist der Jet der Zukunft. Wir brauchen ein solches Flugzeug", sagte er in einem vergangene Woche veröffentlichten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Er sei der Meinung, "dass die Dinge vorangehen müssen".
Berlin zeigte sich zuletzt zurückhaltender. Merz hatte Ende Januar gesagt, es werde "in jedem Falle gemeinsame Systeme" mit Frankreich geben. Inwiefern auch "gemeinsame Flugzeuge" entwickelt und gebaut würden, werde noch besprochen. Der französische Dassault-Konzern beansprucht bei FCAS eine Führungsrolle, was bei dem deutschen Industriepartner auf Kritik stößt.
M.De Luca--MJ