Mindestens drei Tote bei Protesten rivalisierender Gruppen im Nordirak
Bei Protesten in der nordirakischen Stadt Kirkuk sind nach Behördenangaben mindestens drei Kurden getötet und 16 weitere Menschen verletzt worden. Zwei Männern sei in die Brust geschossen, einem dritten in den Kopf, sagte der Direktor der örtlichen Gesundheitsbehörde, Siad Chalaf, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Bei den Opfern handele es sich um einen 21-Jährigen und zwei 37-Jährige.
Er fügte hinzu, dass die Verletzten von "Kugeln, Steinen oder Glas" getroffen worden seien. Unter den Verletzten seien, Kurden und Araber sowie drei Angehörige der Sicherheitskräfte, sagte Chalaf.
Zuvor war in der von verschiedenen Bevölkerungsgruppen bewohnten Stadt eine Ausgangssperre verhängt und ein Polizeieinsatz angeordnet worden. Grund dafür waren offenbar Proteste rivalisierender Einwohnergruppen. Die Polizisten sollten demnach kurdische Bewohner auf der einen und turkmenische und arabische Bewohner auf der anderen Seite auseinander halten.
Den Angaben zufolge wurden Warnschüsse abgefeuert, um die kurdischen Demonstranten zur Auflösung ihres Protests zu bewegen. Ein AFP-Korrespondent berichtete, dass Fahrzeuge auf einer Hauptverkehrsstraße in Brand gesetzt wurden.
Gemäß der irakischen Verfassung untersteht Kirkuk der Zentralregierung in Bagdad, aber auch die Behörden der autonomen Kurdenregion im Norden des Landes beanspruchen die Stadt für sich. Die dortige Lage ist seit knapp einer Woche zunehmend angespannt.
Am Montag hatten arabische und turkmenische Demonstranten nahe des Hauptquartiers der irakischen Sicherheitskräfte einen Sitzstreik abgehalten, nachdem Ministerpräsident Mohammed Schia al-Sudani diese laut Medienberichten angewiesen hatte, das Gelände an die Demokratische Partei Kurdistans (KDP) zu übergeben. Ein AFP-Korrespondent beobachtete am Samstag, wie kurdische Demonstranten versuchten, zu dem Hauptquartier zu gelangen.
Al-Sudani ordnete daraufhin eine Ausgangssperre in Kirkuk und "umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen in den von den Unruhen betroffenen Gebieten" an, hieß es in einer Erklärung seines Büros.
Die Ölstadt Kirkuk ist traditionell von Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen geprägt. In dem Ort leben Kurden sowie Araber und Angehörige der turkmenischen Minderheit. Die kurdischen Peschmerga-Truppen hatten die Kontrolle über die multiethnische Stadt 2014 übernommen, nachdem die irakischen Regierungstruppen vor der Blitzoffensive der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geflohen waren.
Nach einem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum im September 2017 nahm die Zentralregierung den Kurden Kirkuk und andere Gebiete wieder ab. Der Verlust der ölreichen Region Kirkuk war besonders bitter, da die Ölexporte aus dem Gebiet für einen Großteil der Einnahmen der Autonomieregion aufkamen.
A.Galli--MJ