Monaco Journal - Neuer Prix Pascal zeichnet Literatur mit KI-Beteiligung aus

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Neuer Prix Pascal zeichnet Literatur mit KI-Beteiligung aus
Neuer Prix Pascal zeichnet Literatur mit KI-Beteiligung aus

Neuer Prix Pascal zeichnet Literatur mit KI-Beteiligung aus

In Frankreich soll der neue Prix Pascal Bücher prämieren, die mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sind. Die Initiative folgt auf einen KI-Skandal beim Prix Goncourt und löst eine Debatte über Urheberschaft und Literatur aus.

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Ein neuer französischer Literaturpreis will gezielt Werke auszeichnen, die unter Beteiligung künstlicher Intelligenz geschrieben wurden. Der nach dem Mathematiker, Philosophen und Schriftsteller Blaise Pascal benannte Prix Pascal soll nach Angaben seiner Veranstalter literarische Produktion mit KI sichtbar machen und fördern.

Die Initiative kommt kurz nach einem Skandal um den Prix Goncourt. Der haitianisch-kanadische Schriftsteller Thélyson Orélien war mit seinem viel gelesenen Roman „Es war das oder sterben“ von der Longlist gestrichen worden. Er hatte den Einsatz künstlicher Intelligenz zunächst bestritten. Sein Verlag Éditions du Boréal bestätigte später eine KI-Nutzung und kündigte die Zusammenarbeit mit dem Autor auf.

Der Vorgang warf Fragen nach den Prüfverfahren von Verlagen und Literaturjurys auf. Oréliens Text war zunächst weder von den beteiligten Verlagen noch von den Gremien des Prix Goncourt als mutmaßlich KI-generiert erkannt worden. Erst der ebenfalls KI-basierte Detektor Pangram lieferte Hinweise auf die Entstehungsweise.

Beim Prix Pascal ist die Arbeit mit Sprachmodellen dagegen ausdrücklich Voraussetzung. Eine noch nicht namentlich bekannte Jury aus Schriftstellern, Kritikern, Redakteuren, Philosophen und Journalisten soll den besten Text auswählen. Neben einem Preisgeld ist Hilfe bei der Veröffentlichung vorgesehen.

Die Organisatoren werben mit kultureller Inklusion. Nach ihrer Darstellung können KI-Werkzeuge Menschen den Zugang zum Schreiben erleichtern, der bisher durch Bildungsgrad, soziale Herkunft oder eine Lese-Rechtschreibschwäche erschwert werde. Sie präsentieren den Preis als Beitrag zur Demokratisierung literarischer Produktion und als Gegenmodell zu traditionellen Zugangshürden des Literaturbetriebs.

Kritiker halten dieser Darstellung entgegen, dass große Sprachmodelle mit umfangreichen Beständen bestehender Texte trainiert werden. Autoren und Verlage führen international Verfahren darüber, ob urheberrechtlich geschützte Werke ohne ausreichende Zustimmung oder Vergütung verwendet wurden. Auch der Zugang zu leistungsfähigen KI-Systemen ist mit Kosten verbunden.

Umstritten ist außerdem der Anspruch, mithilfe solcher Modelle grundlegend Neues hervorzubringen. Sprachmodelle erzeugen Texte auf Basis von Mustern ihrer Trainingsdaten. Befürworter sehen darin ein neues Werkzeug kreativer Arbeit; Gegner bezweifeln, dass maschinell erzeugte Texte dieselbe Form von Autorschaft und Originalität beanspruchen können wie menschlich geschriebene Literatur.

Der Fall Orélien zeigt zugleich, wie schwer es Institutionen fällt, den Einsatz von KI zweifelsfrei zu erkennen. Detektionsprogramme gelten selbst als fehleranfällig. Damit stehen Jurys und Verlage vor der Aufgabe, transparente Regeln für erlaubte Hilfsmittel, Offenlegungspflichten und die Prüfung eingereichter Manuskripte zu entwickeln.

Auch der deutsche Rowohlt Verlag hatte Oréliens Buch bereits übersetzen lassen. Eine Entscheidung darüber, ob die geplante Veröffentlichung zurückgezogen wird, lag zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht vor.

Über die Träger des Prix Pascal sind bislang nur begrenzte Informationen öffentlich. Der Preis tritt mit einem wenig gepflegten Instagram-Auftritt und einer Präsenz im beruflichen Netzwerk LinkedIn auf. Die Zusammensetzung der Jury und weitere Einzelheiten des Auswahlverfahrens sollen noch bekanntgegeben werden.

Nach der Selbstdarstellung der Organisatoren sollen Beiträge prämiert werden, die neue Formen hervorbringen und nicht lediglich bekannte Muster wiederholen. Genau dieser Anspruch steht im Zentrum der Kritik: Sprachmodelle berechnen neue Textfolgen aus vorhandenen Datenbeständen. Ob das Ergebnis als eigenständige literarische Schöpfung gelten kann, bleibt eine ästhetische und rechtliche Streitfrage.

Hinter dem Preis stehen nach den verfügbaren Angaben Akteure aus dem Technologie- und Unternehmensumfeld. Kritiker sehen deshalb neben dem literarischen Anliegen auch ein Interesse daran, KI-Anwendungen gesellschaftlich zu normalisieren. Die Veranstalter stellen dagegen die Möglichkeiten der Teilhabe in den Vordergrund. Konkrete Regeln dazu, wie stark der menschliche Anteil an einem eingereichten Werk sein muss, waren zunächst nicht bekannt.

Die Auseinandersetzung um den Preis verbindet damit zwei Fragen: ob KI neue Gruppen zum Schreiben befähigen kann und wie Literaturinstitutionen den Schutz geistiger Arbeit gewährleisten. Der Prix Pascal macht die Nutzung der Technik zum Programm, während der Goncourt-Fall die Folgen einer nicht offengelegten Verwendung zeigt.

L.Cattaneo--MJ