Ausschreitungen nach "Gen Z"-Protesten - Plünderungen in Frankfurt am Main
Nach zunächst weitgehend friedlichen "GenZ"-Protesten ist es in mehreren deutschen Städten am Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen. In Frankfurt am Main bewarfen Randalierer nach Angaben der Polizei Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Scheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. In Hamburg setzten die Beamten im Umfeld des Hauptbahnhofs mehrfach einen Wasserwerfer ein, nachdem sie aus größeren Menschengruppen heraus mit Pyrotechnik beworfen wurden.
Aus Berlin meldete die Polizei 56 Festnahmen, 27 leicht verletzte Polizisten und "zahlreiche Straftaten" nach einem Aufzug im Bezirk Mitte. Vorfälle nach den eigentlichen "Gen Z"-Protesten gab es auch in Leipzig. Dort berichtete die Polizei von etwa 250 Menschen, die unter anderem Pyrotechnik zündeten, Haltestellen beschädigten und Gegenstände auf eine Straße zogen. In Bremen beschädigten Randalierer laut Polizei schon am früheren Abend mehrere Autos, zündeten Müllcontainer an und bewarfen Beamte.
In Frankfurt am Main kam es nach Polizeiangaben zur Plünderung mehrerer Geschäfte im Bereich der Einkaufsmeile Zeil, es seien zudem auch Mülltonnen angezündet worden. Im Zusammenhang mit der Attacke auf das Waffengeschäft nahmen die Beamten demnach einen Verdächtigen fest und beschlagnahmten zwei Waffen. Wegen der Ausschreitungen wurde die Zeil teilweise gesperrt, Einsatzkräfte gingen nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot an mehreren Stellen gegen "gezielt gegen gewalttätigen Personengruppen vor".
Die Polizei in der hessischen Stadt meldete im Laufe der Nacht zu Sonntag zunächst 30 vorläufige Festnahmen. Am Bahnhof in Hanau nahmen Beamte demnach zudem vier Minderjährige mit mutmaßlichen "Diebesgut" aus Frankfurt fest. In der Frankfurter Innenstadt kam ein Großaufgebot zum Einsatz, darunter Spezialkräfte. Reporter des Hessischen Rundfunks berichteten von fliegenden Böllern, Feuerwerksraketen und Flaschen. Es wurden Wasserwerfer, gepanzerte Polizeifahrzeuge und ein Hubschrauber eingesetzt.
In Hamburg beschäftigten Gruppen von teilweise mehreren hundert Menschen die Polizei im Bereich des Hauptbahnhofs. Diese warfen Pyrotechnik auf Einsatzkräfte, wie die Beamten in der Hansestadt mitteilten. Einzelne Bereiche seien deshalb mehrfach mit einem Wasserwerfer geräumt worden. Polizisten unterbanden zudem einen Barrikadenbau unter anderem mit Baustelleneinrichtungen. Dabei wurden 120 Menschen überprüft. Angaben etwa zu Festnahmen gab es aus Hamburg und mehreren anderen Städten zunächst noch nicht.
Bei bundesweiten Jugendprotesten der Gruppierung "GenZ regelt" waren am Samstagnachmittag zunächst zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen. An den Demonstrationen nahmen zehntausende Menschen teil, sie blieben nach Behördenangaben größtenteils friedlich. Die Initiative selbst sprach in einer ersten Bilanz von insgesamt 120.000 Protestteilnehmern in ganz Deutschland.
In einigen Städten kam es allerdings bereits bei Versammlungen am Nachmittag zu Zusammenstößen. In Köln wurde die Demonstration nach Polizeiangaben vorzeitig aufgelöst, nachdem sich einzelne Teilnehmer vermummten und Pyrotechnik zündeten. Anschließend kam es demnach zu Angriffen auf Beamte, woraufhin die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen eine "Störergruppe" einsetzte. Starke Kräfte waren zudem im Einsatz in der gesamten Innenstadt. Es sei aber zunächst nicht zu Plünderungen gekommen, betonte die Polizei.
Wie in zurückliegenden Halloweennächten kam es in zahlreichen Städten zudem zu weiteren Polizeieinsätzen etwa wegen Böller- und Eierwürfen sowie Sachbeschädigungen. Vielerorts waren die Einsatzkräfte auch unabhängig von GenZ-Protesten mit starken Kräften präsent. Aus Hamburg berichtete die Polizei etwa von Gruppen von Jugendlichen, die nach Einbruch der Dunkelheit im gesamten Stadtgebiet unterwegs waren und teils Böller zündeten. Vereinzelt gab es demnach Sachbeschädigungen. Die Polizei setzte demnach auch Drohnen ein.
"Leider haben sich heute auch Störer unter die friedlich Demonstrierenden gemischt, um gezielt zu provozieren und Straftaten zu begehen", erklärte ein Polizeisprecher in der Hansestadt zum Geschehen. "Auch in den Abendstunden haben junge Menschen bewusst die Auseinandersetzung mit der Polizei gesucht."
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) machte rund hundert nach seinen Angaben linksextremistische Gewalttäter für die Eskalation in Frankfurt am Main mitverantwortlich. Mehrere Polizeibeamte seien verletzt worden, berichtete der Hessische Rundfunk unter Berufung auf das Innenministerium. Poseck betonte zugleich, die überwiegende Mehrheit der Demonstranten sei friedlich geblieben.
R.Martini--MJ